DRM Empfang
Der experimentelle Sender bit eXpress strahlt von Erlangen-Tennenlohe ein digitales Signal auf der Frequenz 15,896 MHz (seit Herbst 2008 auch per digitaler Mittelwelle auf 909 kHz) aus. Mit einem PC und einem geeigneten Empfänger, z.B. dem Einfrequenz-Empfänger simpleRX, kann man das Programm in der Umgebung des Senders empfangen und decodieren (die Decodierung des Signals erfolgt z.B über das bit eXpress software radio auf dem PC).
Die Ausbreitung dieses Signals folgt den Gesetzmäßigkeiten der Kurzwelle (KW) und unterscheidet sich deswegen von anderen Rundfunksystemen wie z.B. dem UKW-Rundfunk. Hörer, die noch wenig mit KW zu tun gehabt haben und ihre Erfahrungen aus dem UKW-Rundfunk auf dieses neue Medium übertragen, können schnell enttäuscht sein, wenn ihre Erwartungen nicht erfüllt werden. Man braucht jedoch nicht gleich aufgeben wenn der Musikempfang nicht sofort möglich ist. Häufig lässt sich der Empfang auf KW mit wenig Aufwand deutlich verbessern. Und das ist ein großer Unterschied zwischen einem Experimentier-Sender wie bit eXpress und einem kommerziellen System für Massenanwendung: Bei Mobil-Telefonie beispielsweise wird mit einer riesigen Zahl an Basis-Stationen und entsprechend hohem Aufwand ein fast flächendeckender Mobilempfang ermöglicht. In den Fällen, in denen man keinen Empfang hat, gibt es aber keine Möglichkeit, daran irgendetwas zu ändern. Auf Kurzwelle hängt der Empfang dagegen in hohem Masse vom Empfänger ab. Hier kann der Hörer selbst etwas tun, um die Situation verbessern. Dazu braucht man kein Experte sein, etwas Experimentier-Freude und Basis-Know-how genügen.
Der wichtigste Punkt in diesem Zusammenhang ist die Wellenlänge des Signals, bei bit eXpress knapp 19 Meter. Das ist deutlich mehr als z.B. beim FM-Rundfunk, wo die Wellenlänge etwa 3 m beträgt. Dies hat Auswirkungen, die man leicht beobachten kann: Durch lokale Reflektionen und Überlagerungen entstehen in vielen Fällen starke örtliche Schwankungen in der Empfangsfeldstärke. Wieviel man die Empfangsantenne bewegen muss um von einem Ort mit niedriger Feldstärke zu einem Ort mit hoher Feldstärke zu wechseln, ist unterschiedlich, hängt jedoch immer von der Wellenlänge ab. Man muss damit rechnen, dass der Abstand zwischen einem Tal und einem Berg der Feldstärke ein Viertel der Wellenlänge oder mehr beträgt. Beim FM-Rundfunk führt das zum „Ampelstopp-Problem“: Man hält an einer roten Ampel und der Rundfunkempfang wird schlechter oder fällt ganz aus. Dann rollt man ein kurzes Stück weiter, und der Empfang ist wieder da. Genauso kann es genügen, ein FM-Küchenradio nur wenig zu verschieben, um den Empfang zu verbessern. Bei Kurzwelle dagegen sind die Abstände zwischen Feldsstärke-Tälern und –Bergen generell grösser. Das Verschieben des Empfängers auf dem Tisch genügt nicht, um aus einer Zone mit schlechtem Empfang herauszukommen. Dafür muss man den Empfänger mehrere Meter bewegen, und so ist es oft notwendig, eine relativ große Fläche abzusuchen, um einen guten Empfangsort zu finden.
Ein weiterer Effekt der großen Wellenlänge ist, dass die Wirksamheit von Empfangsantennen sinkt. Eine gute Antenne misst mindestens ein Viertel der Wellenlänge. Teleskop-Antennen leisten daher für den FM-Rundfunk noch gute Dienste. Bei Kurzwelle dagegen stellen sie einen Kompromiss zwischen Wirksamheit und praktikablen Abmessungen dar. Eine großen Außenantenne wie sie z.B. Funkamateure oder CB-Funker benutzen, ist deutlich besser. Das heißt aber nicht, dass jeder, der mit einer kurzen Teleskop-Antenne schlechten Empfang hat, eine riesige Stahl-Konstruktion auf dem Hausdach braucht. Oft genügt es, die Antenne mit einem Draht auf ein paar Meter zu verlängern. Auch kann man versuchen, andere Metallstrukturen wie z.B. Balkongeländer als Antenne zu verwenden. So etwas stellt sicher keine optimale Lösung im Sinne der Antennentheorie dar, doch kann es bei Kurzwelle zum Erfolg führen.
Neben der größeren Wellenlänge gibt es auf Kurzwelle einen weiteren Effekt, der den Empfang beeinflusst: Rauschen und Störungen. Sehr viele technische Geräte erzeugen Störungen im Kurzwellenband, die Radiosignale überdecken und stören können. Dazu gehören industrielle Maschinen, Kraftfahrzeug-Zündungen, Schaltnetzgeräte, Computer-Bildschirme, CD-Spieler, etc.. Auch DSL-Leitungen und Datenübertragung über das lokale Stromnetz (powerline) können störendes Rauschen auf Kurzwelle erzeugen. Das führt dazu, dass sich ein Störnebel bildet, der den Empfang gerade dort beeinträchtigt, wo sich die meisten Menschen aufhalten. Auch hier ist Experimentier-Freude gefordert, da sich unmöglich vorhersehen lässt, welches Gerät auf welchen Frequenzen Störungen verursacht. Generell ist es sinnvoll, elektronische Geräte auszuschalten oder möglichst weit von der Empfangsantenne zu entfernen. Abschirm- und Entstörmaßnahmen können ebenfalls hilfreich sein. Eine Außen-Antenne verbessert auch hier die Empfangssituation.
Angesichts dieser nicht optimalen Eigenschaften der Kurzwelle kann man sich schon fragen, warum dieses Band immer noch genutzt wird, und wie man die Probleme früher gelöst hat, als die Kurzwelle auch bei uns noch viel mehr gehört wurde. Zunächst ist zu sagen, dass in der Blüte des Kurzwellenradios der Störnebel deutlich schwächer war als jetzt, was sich einfach durch die heutige viel höhere Verbreitung von elektrischen Geräten erklärt. Auch Außenantennen waren üblich: Was heute die Kabel- oder Sat-Verteilung in einem Wohnhaus ist war damals eine LMK-Antenne auf dem Hausdach zum Radioempfang auf Kurz- Mittel- und Langwelle. Mit der Einführung des FM-Rundfunks auf UKW sind diese Antennen, die jetzt wieder gute Dienste tun könnten, größtenteils verschwunden.
Es gibt aber einen entscheidenden Vorteil, den die Kurzwelle gegenüber praktisch allen anderen Frequenzbändern auszeichnet: der Empfang ist weltweit möglich. Wie gut das geht hängt zwar von vielen Dingen ab, wie z.B. Tages- und Jahreszeit und Anzahl der Sonnenflecken. Prinzipiell kann man einen Kurzwellen-Sender aber überall auf der Erde hören. Für bit eXpress z.B. liegen Empfangsberichte aus England, Finnland, Griechenland, Nord- und Südamerika vor. Auch im Zeitalter von Satelliten-Telefonie und Internet ist das ein entscheidender Punkt.
Die Kurzwelle erwartet vom Hörer etwas mehr als plug & play. Dafür bietet sie ein einmaliges Medium für weltweiten Empfang und die Gelegenheit, dass der Hörer selber den Unterschied zwischen Empfang und Nicht-Empfang in der Hand hat.



