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RadioProjektTechnik

Newcomeralbum

Hier gibt es die genauen Infos zu unseren Newcomeralben nochmal zum Nachlesen.

Unser Newcomeralbum des Monats April

Hannah Cohen: Child Bride

VÖ: 23. April 2012
Label: BellaUnion

Wer ist Hannah Cohen?
Hannah Cohen wurde 1986 geboren, ist also noch ganz schön jung. Sie soll in einer Künstlerfamilie in San Francisco aufgewachsen sein. Ihr Opa soll Dichter und bei der BBC gewesen sein, ihr Vater Jazz-Schlagzeuger. Somit hat sie, wenn man so will, ihre Karriere als Singer/ Songwriterin und Fotografin quasi schon in die Wiege gelegt bekommen. Als Teenagerin soll Hannah von Zuhause ausgezogen sein, als Model gearbeitet und als „Muse der New Yorker Kunstszene“ gewirkt haben. 
In einem Urlaub in Brasilien soll Hannah sich dann selbst das Gitarrenspielen beigebracht und angefangen haben, Songs zu schreiben – „simple songs, sung to herself, private reflections on love and loneliness“. Die soll sie, insbesondere in den frühen Morgenstunden bei Parties, mit ihren Freunden geteilt haben. So entstand dann auch ihr Debütalbum.

Wie klingt die Scheibe?
Hannah Cohen singt mit ganz sanfter, vorsichtiger, teilweise verführerisch gehauchter Stimme. Das passt gut zu den Liedern und Texten, die hauptsächlich von Liebe und Traurigkeit handeln und fast durchweg getragen, melancholisch, mädchenhaft-nett klingen. Die Lieder taumeln wie ein süßer Schwarm bunter Schmetterlinge aus dem CD-Player und sind alles in allem sehr ruhig.
Ich würde das Album als eine Mischung aus Katie Melua, Lena Meyer-Landruth und Nancy Sinatra, die Tochter von Frank Sinatra, beschreiben. Das Lied „Say Anything“ zum Beispiel erinnert mich zumindest am Anfang sehr an Nancy Sinatras „Bang Bang“ aus Quentin Tarantinos Actionfilm „Kill Bill“ von 2003 mit Uma Thurman in der Hauptrolle. Die Lieder „The Crying Game“und „Carry You Under“ erinnern mich auch sehr an Björk – da geht Cohen mit ihrer Stimme richtig Bungee-Springen: “Whyhyhyhyhy“. Die Lieder sind also experimentell, verspielt, auch wenn sie insgesamt stark an andere Interpreten erinnern.
Das Besondere ist, dass ihre Band aus Gastmusikern besteht, unter denen sich begabte Künstler befinden wie Sam Amidon, Doveman, Bon Iver, Antony and the Johnsons, Laurie Anderson. Die Musik macht die Lieder ganz individuell. Da ist zum Beispiel mal eine ganz leichte Dissonanz zu hören, wie im Lied „Boy + Angel“, wo die ungemütliche Stimmung des Liedes, die hauptsächlich durch die dissonante Zweistimmigkeit zum Ausdruck kommt, im Hintergrund paraphrasiert wird von synthetischen Effekten und plötzlich in der Mitte ein elektrisches Klaviersolo ins Lied platzt.
In das Lied „Carry You Under“ hat sich sogar ein Dreivierteltakt verirrt. Besonders interessant ist, dass neben den klassischen Begleitinstrumenten wie Gitarre, Klavier oder Geige, auch die Percussion immer wieder eine tragende Rolle spielt. Während andere Bands das Drumset gern auf Hi Hat und Snare reduzieren, gibt es bei der Band von Hannah Cohen viele markante Lieder, in denen der Drummer beinahe zärtlich mit der Base-Drum spielt, also mit der großen Trommel beim Drumset. Im Lied „The Simplest“ rollt der Klang der Tomtoms wie das regelmäßige Rauschen eines Baches im Hintergrund, aber dennoch deutlich hörbar. In „Don't Say“ untermalt die Cabasa, eine Art Kürbisrassel, den Song mit ihrem rhythmischen Ratschen.
Fazit: Die Lieder sind sehr schön, ruhig und getragen, wer also auf eher melancholische Musik steht, für den könnte es genau das Richtige sein. Ich kann mir Hannah Cohen tatsächlich gut auf einer ausklingenden Party vorstellen, wenn alle in den Seilen hängen, das Morgenlicht schon durch die verrauchte Luft bricht und die letzten noch Wachen vielleicht über ihr Leben oder die Liebe sinnieren. (Text: Leonie Seng)

Unser Newcomeralbum des Monats März

Gabriel And The Hounds: A Kiss Full Of Teeth

VÖ: 28. Februar 2012
Label: Ernest Jenning/Orchard

Wer steckt hinter Gabriel And The Hounds?

Gabriel and The Hounds ist das Soloprojekt von Gabriel Levine, den man vielleicht von der Band Takka Takka aus Brooklyn kennen könnte. Da es mit seiner Hauptband gerade nicht so gut läuft, u.a. weil sie einige Bandmitglieder verloren haben, bringt er unter dem Namen Gabriel And The Hounds eigene Musik heraus. Auch wenn der Name es nahelegt:  Hunde hört man auf dem ganzen Album nicht. Das THE HOUNDS ist eine Referenz an den Kate Bush Song "The Hounds of Love". Gabriel hat sich von allen möglichen Musikerfreunden helfen lassen, um seine Ideen umzusetzen. Er hat zum Beispiel ein ganzes Orchester ins Studio gepackt. Und das sind nicht irgendwelche Leute, sondern Profis, die zum Beispiel auch bei Björk und The National mitspielen. Es kommt einem so vor, als ob sich Gabriel einiges vorgenommen hat.

Wie klingt die Scheibe?

Das Album hat ein Intro, ein Zwischenspiel und ein Outro, welche auch als solche bezeichnet werden und dazu da sind, den Hörer auf seiner Reise immer wieder ein wenig an der Hand zu nehmen und durch das Album zu führen. Außerdem tauchen anstatt des zu erwartenden Hundegebells immer wieder Bahnhofsgeräusche und Vogelgezwitscher auf, die ein wenig an die progressive und konzeptlastige Band Porcupine Tree erinnern. Bei den Liedern stechen aber vor allem die musikalischen Brüche hervor. Zum Beispiel durchläuft das Lied "Lovely Thief" mehrere Stadien. Am Anfang bestreitet Gabriel es eher alleine mit seiner Gitarre. Dann kommt auf einmal das ganze Orchester hinzu und setzt Kontrapunkte. In diesem Moment denkt man, das passt doch gar nicht. Am Ende schwenkt das Ganze noch in einen Walzer um und die Gitarren spielen harmonisch zusammen mit dem Orchester. Da macht man als Hörer eine richtige musikalische Reise mit. Hin und wieder gibt es jedoch ein paar Verschnaufpausen, wo sich das Orchester ein wenig zurück zieht und den Gitarren Platz macht. Dann steht vielmehr Songwritermusik auf dem Plan, garniert mit rockigen Gitarren und sanften Melodien. Und ganz am Rand lassen sich trotzdem hier und da ein paar Streicher blicken.
Zusammenfassend lässt sich sagen: Die Platte strebt Großes an. Der Sound versprüht durch die Geräuschkulissen und das Orchester eine starke Atmosphäre. Und gleichzeitig sind die Lieder relativ kompakt gehalten. In den einzelnen Liedern steckt sehr viel Dynamik. Man muss sich einfach darauf einlassen und sich von Gabriel and The Hounds auf eine märchenhafte und abwechslungsreiche Reise mitnehmen lassen. In einem Wort gesagt ist das Album episch. So ein episches Lied ist "Wire and Stone", das auch durch seinen interessanten Songaufbau ganz besonders hervorsticht. Es fängt zart als eine Gitarrenballade an, die recht traurig und melancholisch daher kommt.  Dann steht der Song auf und wird immer selbstbewusster, bis es am Ende zum grande finale mit Percussion und allem drum und dran kommt. (Text: Daniel Falkiewicz)


Unser Newcomeralbum des Monats Februar

Frau Potz: lehnt dankend ab

VÖ: 17. Februar 2012
Label: Delikatess Records

Wer sind Frau Potz?

Hinter der Punk-Band „Frau Potz“ stecken Felix, der Sänger, Hauke, der Bassist, und Jens, der Drummer. Felix war auch gleichzeitig bis 2011 Sänger der Band „Escapado“, bis diese sich aufgelöst hat. Und Jens hat von der Band „Freitag“ zu „Frau Potz“ gewechselt. Im Februar haben sie ihr erstes gemeinsames Album mit dem interessanten Titel „lehnt dankend ab“ herausgebracht. Der Name "Frau Potz" hat keine besondere Bedeutung, aber es steckt eine gute Geschichte hinter dem Bandnamen. Die Jungs wollten einen Namen mit „tz“. Sie hatten aber nicht so wirklich eine Idee. Irgendwann auf einer Party sind ihnen auf einer Wand Sprüche aufgefallen, die jemand dort hinterlassen hat. Und diese Jemande haben die Sprüche nicht neben-, sondern untereinander gesprüht. Der erste war „KURT SMELLS LIKE TEEN SPIRIT“, der zweite „FRED RIECHT AUCH  UNANGENEHM“ und der dritte „PAULA OHLSEN TÖTET ZIEGEN“. Hauke ist aufgefallen, dass nur die Anfangsbuchstaben, die ja untereinander standen, „KSLTS FRAU POTZ“ ergaben. Und weil man sich Akürzungen so schlecht merken kann, haben sie beschlossen, sich einfach nur „Frau Potz“ zu nennen. Die Band wurde mit diesem Namen ziemlich erfolgreich und im April 2012 sind sie auf Tour in Deutschland. Sie kommen z.B. nach Mainz, Köln und Leipzig. Die genauen Daten und alle Neuigkeiten über „Frau Potz“ findet Ihr auch auf ihrer Internetseite fraupotz.com.

Wie klingt die Scheibe?

Es fällt auf, dass der Albumtitel klein geschrieben ist. Die Platte heißt also eher "Frau Potz lehnt dankend ab". Ist der Name da Programm, also geht es in den Liedern hauptsächlich um Ablehnung, ums Neinsagen? Die Jungs finden das ganz gut, dass man sowohl "Frau Potz lehnt dankend ab" lesen kann, als auch "lehnt dankend ab" für sich so stehen lassen kann. Als Ausruf und Aufforderung. Aber tatsächlich geht’s auch in manchen Texten um Ablehnung. Sie sagen selbst: „Es sind halt angepisste Texte“. Im Song „Ach, Heiner" geht es auch darum, dass man man nicht jeden Trend mitmachen und mal nachdenken sollte, wem oder was man hinterherrennt. Die Band kratzt nicht nur an der Oberfläche, sondern traut sich zu sagen, was sie bewegt. Man merkt deutlich, wie alles, was ihnen in den Kopf kommt, sofort unverfälscht in einen Song verwandelt wird. Das klingt dann auch schon mal trotzig, keifend und laut. Aber so was hört man eh viel zu wenig. (Text: Anna Wieser)

Unser Newcomeralbum des Monats Januar

The Arkanes: Don`t Act Like You Know Me

VÖ: 20. Januar 2012
Label: Dying Giraffe Recordings

Wer sind The Arkanes?

The Arkanes haben sich 2007 in Liverpool gegründet und von da ab in kleineren Locations in und um Liverpool herum gespielt. 2009 hatten sie dann eines Tages ziemlich viel Glück, sie wurden von dem Produzenten André Horstmann entdeckt. Er hat für sie Gigs in ganz Europa organisiert, sie schließlich nach Deutschland geholt und ihre EP aufgenommen, die wir nun seit einigen Wochen kaufen können. Leider war das bisher jetzt nur eine EP, es heißt aber, es ist schon ein richtiges longplayer Album im Anmarsch. Die Besetzung der Band ist jedenfalls vielversprechend: Neben dem Bandleader Chris Pate ist da noch der Bassist/Vocalist Lee Dummett, an der zweiten Gitarre Adam Sheeran und am Schlagzeug sitzt Andy Long. Die vier sehen ein bisschen aus wie die Beatles, wenn sie da zusammen spielen, nur vielleicht nicht ganz so brav.

Wie klingt die Scheibe?

Um den Bandleader Chris Pate zu zitieren:  „How would I describe the music!? Very good of course!" Vor allem die Mischung aus Indie-Rock, Garagerock und Grunge macht das ganz Besondere von The Arkanes aus. Vergleichbar ist die Musik am ehesten mit Wolfmother oder Mando Diao. Der Song "Skeletons" ist besonders zu empfehlen, weil  er aus dem schnellen und energetischen Rest der EP rausfällt. "Skeletons" ist ziemlich ruhig und auch gefühlsbetonter als die anderen 5 Tracks auf der EP, aber ohne dabei kitschig oder nervig zu werden. Chris Pate schafft es da auf erstaunliche Weise alle seine Emotionen in die Stimme zu packen.
(Text: Simon Hrubesch)

Unser Newcomeralbum des Monats November

Jamie N Commons: The Baron

VÖ: 21. Oktober 2011
Label: Cooperative Music (Universal)

Wer ist Jamie N Commons?

Beim ersten Hören der Platte taucht im Kopf sofort das Bild eines „Lonesome Hobo“ auf – ein einsamer, alter Blues-Sänger mit zerfurchter und gegerbter Haut... das ist Jamie nicht! Er ist gerade einmal 22 Jahre jung und sieht auch noch taufrisch aus. Aber die Musik und auch die Stimme eines Lonesome Hobo hat er bereits jetzt. Er selbst erfüllt aber nicht das Blues-Klischee einer „geplagten Seele“. Er ist eigentlich nur ein junger Musiker, der sich auf seiner ersten EP ausprobieren will. Jamie ist als Kind schon mit der Musik seiner Idole in Kontakt gekommen. Im Plattenschrank seines Vaters fand er die Alben von Johnny Cash oder auch Tom Waits und sein erstes Konzert war eines der Allman Brüder, an das er heute noch starke Erinnerungen hat.

Wie klingt die Scheibe?

Das Album zeigt eine relativ breite Palette an Einflüssen: von Blues über Gospel und Swamp Rock bis hin zu Elementen aus dem Big Band-Sound. Deshalb wird es nie eintönig, sondern es gibt in jedem Song etwas Neues zu entdecken. Charakteristisch für den Sound ist die Akustikgitarre, die immer wieder auftaucht und die raue Stimme von Jamie. Daneben ist das Highlight der Platte auch die Band, die mit Bass, Drums, Piano, Orgel-Sounds und Gitarren sowie gelegentlichen Harmonika-Einwürfen arbeitet. Aus diesem Instrumentarium lockt Jamies Band wirklich tolle und erstaunlich abwechslungsreiche Klänge hervor – von leise und düster bis hin zum groovigen Sound.
(Text: Thomas Horn)

Unser Newcomeralbum des Monats Oktober

I HEART SHARKS: Summer

VÖ: 28. Oktober 2011
Label: Auf die Plaetze (Alive) // ADP RECORDS

Wer sind I HEART SHARKS ?
In Berlin hat alles angefangen. Dort haben sich 2007 Pierre, Simon und Georg, alle drei Anfang 20, getroffen und machen seitdem zusammen Musik. Simon, der in New York aufgewachsen ist, kümmert sich um den Synthesizer und die Gitarre und nebenbei hat er ihr erstes Album „Summer“ produziert. Pierre aus London sorgt mit seinem ganz eigenen Akzent , den er als Sänger in die Lieder einfließen lässt, für den großen Wiedererkennungswert. Und der Bayer Georg rundet das Trio mit seinem Schlagzeug ab.

 Wie klingt die Scheibe?
Die Jungs bezeichnen ihren Style selbst als „Indietronic“. Sie haben sich vor allem von der New Wave beeinflussen lassen und bringen Einflüsse aus der englischen und deutschen Popmusik mit. Sie streben in ihrer Musik nicht unbedingt nach Perfektion, was aber durchaus kein Fehler ist, sondern eher als Experiment angesehen werden kann. Und was raus kommt, ist eine ganz eigene Klangwelt, die ganz und gar nicht gehaltlos und langweilig daher kommt.
(Text: Anna Wieser)